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Der Weg zum Illustrator an der AKV St. Joost in Breda

Yella Roth hat Ihr Examen an der AKV St. Joost in Breda absolviert und erzählt uns von Ihren Erfahrungen.

Was beinhaltet eigentlich so ein Examen auf der Kunstakademie?
Ich selbst hatte die Vorstellung eines großen Projekts, mit dem man mit einem Knall in die Design- und Kunstindustrie einsteigen kann. Wie es aber tatsächlich im Falle Illustration bei mir gelaufen ist, möchte ich hier in einem kleinen Insiderbericht von meinem Examen im Sommer 2011 wiedergeben.

Das Examen besteht an der AKV aus zwei Teilen: einem theoretischen und einem praktischen.
Im Falle Illustration bedeutet das, dass im Januar/Februar die theoretische Bachelorarbeit eingereicht werden muss. Im Umfang entspricht sie etwa einer größeren Hausarbeit von bis zu 15000 Wörtern. Alternativ kann auch eine Art mündliche Prüfung abgelegt werden oder eine Präsentation, wofür sich aus unserem Illustrationsjahrgang allerdings niemand entschieden hat. Das Thema wählen wir Studenten selbst. Und weil die Kunstakademie eben doch ein wenig spezieller ist, schließt dieses selbst gewählte Thema im Idealfall nahtlos an die persönliche Entwicklung und künstlerische Handschrift an. Ich zum Beispiel habe über handwerklichen Gebrauch von Stop-Motion-Animation geschrieben, weil ich selbst ein Fan bin was handgemachte, gebastelte, und auch dreidimensionale Illustrationen und Animationen angeht. Für diesen Theorieteil also hat man ungefähr drei Monate Zeit und darüber hinaus wird noch eine kleine praktische fachspezifische Aufgabe gestellt.

Der arbeitsintensivste Teil allerdings ist das praktische Examen.
Wir bekamen nach Abrundung des theoretischen Teils, noch bevor wir unsere Noten hierfür erhalten hatten, zwei neue Aufgaben gestellt. Zeitfenster: 21 Wochen, 840 Arbeitsstunden.
Was man den Dozenten sehr zugute halten muss, sind deren Bemühungen ein Thema zu finden, das jedem Studenten einigermaßen gerecht wird.

In gemütlicher Runde hatten wir zuvor besprochen, welche Themen uns interessieren würden.
Letztendlich kristallisierte sich aber heraus, dass viele Interesse an Tieren, Bioindustrie oder Wohltätigkeitsorganisationen haben. Somit war dieses Thema schnell gefunden:
Als Überthema Stiftung „Wakker Dier“, die sich gegen die fleischproduzierende Bioindustrie einsetzt, bekamen wir eine Liste mit Aufgabenvorschlägen. Diese richten sich natürlich wiederum nach persönlichen Interessen und in welchem Berufsfeld von Illustration man arbeiten möchte (redaktionell, Verlagswesen, Promotion...). So war es z.B. möglich für eben diese Stiftung eine Kampagne auf MTV mit kurzen Animationen zu machen, deren Jahresbericht zu illustrieren oder klassisch Buchillustrationen zu passenden Tier(-leid) bezogenen Büchern zu machen.

Für letzteres habe auch ich mich entschieden. So habe ich im Verlauf dieser knapp fünf Monate 15 Illustrationen für den Sci-Fi Klassiker „ Die Insel des Dr. Moreau“ von H.G. Wells gemacht, einen Umschlag entworfen und als gebundene Ausgabe drucken lassen.

Die zweite Aufgabe war etwas freier, anhand des Geschichtswälzers „In Europa“ von Geert Mak durften wir uns eine Periode des 20. Jahrhunderts aussuchen und selbst eine Aufgabe stellen, die unserem illustrativen Profil entspricht. So entstanden zum Beispiel mehrere Arbeiten zu Tschernobyl, Berlin als kulturellem Zentrum oder den Weltkriegen.
Ich selbst habe mich als Sekundärliteratur mit „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin befasst.
Dieser Roman wurde bereits mehrfach für die Bühne adaptiert und ich habe maßstabsgetreu ein Bühnenbild entworfen und ein Poster gemacht für eventuelle Neuaufführungen.

All diese Aufgaben sind fiktiv gemeint, als sogenannte Schattenaufgaben, das heißt sie werden nicht echt umgesetzt oder verlegt, müssen aber Potenzial haben, um ein brauchbares, praxisgerichtetes Endprodukt abzuliefern.

Was hierbei aber auffällt, sind die ganz diversen Herangehensweisen an Illustration und was sie bedeuten kann, je nach Neigung des Studenten und Kontext der Aufgabe. Dies entspricht auch der illustrativen Praxis. So viel also zu den Rahmenbedingungen unseres Examens.

Gearbeitet haben wir alle ganz unterschiedlich, ob in der Akademie, an unserem Arbeitsplatz, zuhause oder im selbstgemieteten Atelier. Immer jedoch entsteht ein kreatives Chaos aus Skizzen, Papieren, Materialien, Computern, Notizbüchern, Farben und Stiften. Je nach eigener Herangehensweise, ob mehr digital oder doch materialbezogen, muss mit einem Haufen organisatorischer Überlegungen gerechnet werden.
Und natürlich ein bisschen Geld im Sparstrumpf kann nicht schaden. Druckwerk ist teuer oder bestimmte Computerprogramme müssen angeschafft werden, externe Festplatten können spontan den Geist aufgeben, etc.
Auf wöchentlicher Basis gab es die Möglichkeiten mit den begleitenden Dozenten den Fortschritt der Projekte zu besprechen. Teils mit heftiger Kritik, teils mit aufbauenden Worten, stehen sie mit Rat und Tat zur Seite. Letztendlich lag aber die Verantwortung für die Ausführung der Projekte in unseren Händen.
Hierbei sah man Studenten oft am Rande des Nervenzusammenbruchs, aber auch erhebende Momente waren zu beobachten, wenn eine Aufgabe zur eigenen Zufriedenheit und der der Dozenten ausgeführt wird.
Es ist eine wirklich spannende Zeit und jeder Student möchte natürlich etwas besonders schönes und typisches für sein Examen entwerfen.
Der lange Zeitraum (die reguläre Zeit für unsere Projekte während des Studiums beträgt meistens nur acht Wochen) ist natürlich verführerisch, um Dinge aufzuschieben oder Konzepte mehrere Male umzuwerfen, doch am Ende ist die Zeit knapper als gedacht.

Während dieser Periode hatten wir noch Kurse, die uns auf die Berufspraxis vorbereiten sollen und einen Infomarkt mit allerlei Organisationen, Vereinigungen und Ex-Studenten, die aus ihrer Berufserfahrung berichteten. Nach all diesen geistigen und kreativen Höchstleistungen kam nun die Präsentation der fertigen Aufgaben näher.

Zur Kommission der Examensjury gehört immer auch ein/e externe/r Fachkundige/r. Für diesen Externen mussten wir eine Präsentation im Mai vorbereiten mit dem Stand unserer Projekte.
Alles halb so schlimm wie gedacht, und die Tipps unserer Expertin, einer Grafikdesignerin, gaben uns noch mal nützliche Einsichten in unsere Projekte, um noch mal kritisch Abstand nehmen zu können.

Die abschließende Präsentation unserer fertigen Arbeiten erfolgte circa einen Monat später.
Wir bauten unsere eigene Ausstellung auf. In einem Gebäudetrakt im Schulgebäude hämmerten, spannten, verschraubten und arrangierten wir, was das Zeug hielt, um am Ende eine würdige Umgebung für unsere fertigen Bücher, Animationen, Modelle, Poster, Flyer, Programmhefte, Merchandise Linien und Spreads zu schaffen.

Das ganze Schulgebäude war eine große Expo und zeigte Arbeiten von immerhin acht Fachrichtungen. In dieser Ausstellungssituation präsentierten wir endlich am Freitag, 23.Juni an die Examenskommission. Diese besteht aus den begleitenden Dozenten, einer Dozentin aus den vergangenen Jahren, der externen Fachkundigen und dem Studienleiter.
Aus ihren Gesichtern sprach...nicht viel. Sehr neutral, aber freundlich und kritisch stellten sie uns allerlei Fragen, auch über das Leben nach der Akademie und unsere Arbeiten.
Das hatten wir uns viel angespannter vorgestellt.
Nach einer Viertelstunde pro Student war der Spuk vorbei und wir warteten auf unsere Kommilitonen, die der Reihe nach präsentieren mussten.
Am Ende des Tages war es schwierig einzuschätzen, ob man bestanden hat, aus den Pokerfaces unserer Dozenten ging es jedenfalls nicht hervor.

Zum Ausklang trafen wir uns mit der Klasse in einer Bar, wo wir gespannt auf das Ergebnis des Tages warteten.
Bei Illustration wird es nämlich so gehandhabt, dass diejenigen, die nicht bestanden haben, noch am Abend angerufen werden. Die offiziellen Ergebnisse in Noten wurden erst nach dem Wochenende bekannt gegeben. Und tatsächlich, zwei Mal klingelte ein Telefon. Das Entsetzen war groß. Kollektiv fühlten wir mit den Nichtbestandenen mit.
Nachdem wir aber die Bestätigung erhalten hatten, dass alle anderen bestanden haben, wurde der Abend doch noch gebührend gefeiert.

Am 29. Juni vor der offiziellen Eröffnung hatten wir eine Vip-Preview unserer Ausstellung für geladene Gäste und Gelegenheit genug, um zu Netzwerken und Professionals für unsere Arbeiten zu begeistern.

Am 1. Juli schließlich wurde das Diplom verliehen im Garten der Akademie. Im gelb-weiß gestreiften Zirkuszelt hielt der Schulleiter und unsere begleitenden Dozenten ihre Reden, die Bestandenen wurden ausgezeichnet, Preise verliehen. Mit Familie und Freunden genoss man die Krönung von vier Jahren voll harter Arbeit und Ausbildung zum professionellen Illustrator.
Unsere Ausstellung war vom 2. bis 6. Juli im Schulgebäude zu sehen und wir waren fast jeden Tag dabei, um den Besuchern Rede und Antwort zu stehen. Unsere Visitenkarten gingen weg wie warme Semmeln und wer weiß, vielleicht ist noch der eine oder andere lukrative Anruf drin.

Jetzt dürfen wir uns also Bachelor of Design nennen und müssen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen.
Es wird sicher kein einfacher Weg als Freelance Illustrator zu überleben, und sicher werden auch nicht alle aus meinem Jahrgang bei diesem spannenden Beruf bleiben, aber ich fühle mich gut vorbereitet. Ich werde sicher noch an Profilierungsworkshops mit allen praktischen Aspekten des Freiberuflerdaseins teilnehmen.
Ich habe ein gutes Gefühl bei der Sache.

Wir bedanken uns bei Yella Roth für Ihren ausführlichen und sehr interessanten Examensbericht.

Ich wünsche weitere Informationen, u.a. auch den Newsletter von www.fh-avans.de und stimme zu, dass meine Adresse an Hochschulen weitergeleitet wird, damit mir Infomaterial zugesendet werden kann.

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